Leserartikel-Blog

Kein "China-Bashing", aber Widerstand gegen die Kommunistische Partei Chinas

Zu dem Schlag-Wort "China-Bashing" in Bezug auf die kritische Berichterstattung über die VR China möchte ich gerne den chinesischen Widerstand erläutern, in der Hoffnung, dass die deutschen Leser den chinesischen Standpunkt kennenlernen.

Ende der Siebziger haben Wei Jingsheng und Xu Wenli als Repräsentanten der ersten Generation, die in der VR China aufgewachsen ist, Demokratie und Menschenrechte gefordert. Sie wurden alle der Reihe nach von der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) verhaftet. Zehn Jahre später wurde die größte Demokratiebewegung in der chinesischen Geschichte vom Regime mit einem Massaker niedergeschlagen. Ich habe mich als Studentin in Deutschland nach dem Pekinger Massaker 1989 der chinesischen Demokratiebewegung angeschlossen und war auch ein Mitglied der Föderation für ein demokratisches China (FDC), die am 22. September 1989 in Paris gegründet wurde.

FDC ist nur eine der zahlreichen chinesischen Organisationen, die weltweit, auch in der VR China, nach Demokratie und Menschenrechten streben. Ich unterstütze sie alle bei Bedarf. Das Programm der FDC lautet, z. B.: Menschenrechte fordern, soziale Gerechtigkeit verteidigen, private Wirtschaft fördern, die kommunistische Diktatur beenden, ein demokratisches China gründen.

Nach der ersten internationalen Konferenz zur globalen Unterstützung für die Demokratisierung in China und Asien, zu der über zweihundert Teilnehmer größtenteils Chinesen aus aller Welt im Mai 2006 nach Berlin kamen, hat in diesem Jahr die dritte Konferenz in Tokyo vor den Olympischen Spielen 2008 stattgefunden.
Wir haben nie aufgehört, Menschenrechte zu verteidigen und Demokratie zu fordern, auch wenn wir deswegen einer Verfolgung der KPC ausgesetzt worden sind. Der kalte Krieg, der für beendet erklärt wurde, wird jetzt nur anders geführt. In meinem Bekanntenkreis aus Schriftstellern sind seit 2003 etwa ein Dutzend verhaftet worden. Zwei der 9 Unterzeichner des ersten offenen Briefes an den Bundestag in Bezug auf das Chinaprogramm der Deutschen Welle (DW) wurde trotz ihrer deutschen Reisepässe die Einreise nach Hongkong im August verweigert. Mein Werk auf Chinesisch darf nicht in China erscheinen, selbst mein Kondolenzschreiben durfte nicht auf der Beerdigung meiner Mutter vorgelesen werden.

Es ist kein Wunder, dass wir die Kritik der DW-Chinaexpertin Zhang Danhong an der Berichterstattung deutscher Medien über China nicht akzeptieren, wie zum Beispiel: "Wenn man aber hier in die Zeitungen guckt, denkt man, dass China ein ganz schlimmes, böses Land ist, das Menschenrechte mit Füßen tritt".

Wir fühlen uns auch nicht von der Spiegel-Titelgeschichte "Die gelben Spione" angegriffen, auch wenn "Die roten Spione" als Titel besser zu der geschilderten Situation passt, die wir gut kennen und wir haben selbst auch Erfahrungen mit den Spionen der KPC weltweit gemacht. Ohne diese Kräfte wären auch keine Demonstrationen voller roter Fahnen nach dem Tibetaufstand in Berlin bzw. im Westen vorstellbar gewesen.

Zhang Danhongs Äußerungen in den deutschen Medien haben auch mich dazu gebracht, das DW-Chinaprogramm anzuhören und anzusehen, dabei musste ich mit Entsetzen der Kritik der Chinesen im In- und Ausland zustimmen, dass das DW-Chinaprogramm wie ein von der KPC finanziertes Propagandamedium im Ausland ist.

Wir können nichts dagegen tun, wenn "Die Zeit" die Hymnen auf die KPC von Helmut Schmidt und Co. abdruckt, aber wir müssen etwas dagegen tun, wenn das DW-Chinaprogramm fast nur die Regimeliebhaber wie Thomas Heberer als deutsche Chinaexperten den Chinesen vorstellt, deren freier Zugang zur Information von der KPC gesperrt wird.

Der offene Brief wurde zwar nur von 9 Chinesen in Deutschland unterschrieben, aber es gibt noch andere, die ihn hätten unterschreiben wollen. Die Initiatorin Huan Xuewen wollte es vermeiden, dass weitere Chinesen wie wir nicht mehr nach China einreisen könnten, wenn ihre Namen dabei bekannt würden.

Es freut uns sehr, dass uns der "Autorenkreis der Bundesrepublik" unterstützt. Denn ihre Mitglieder haben meistens wie wir eigene Erfahrungen in einem totalitären Staat gemacht, wie z.B. in der Ex-DDR. Sie müssen kein Chinesisch sprechen und das DW-Chinaprogramm kennen, um uns und unsere Kritik zu verstehen und zu unterstützen.

Nach dem Sendeauftrag der DW muss das DW-Chinaprogramm Deutschland und die Grundwerte der freien Welt (Menschenrechte, Demokratie...) den chinesischen Hörern vorstellen, aber was das DW-Chinaprogramm jetzt macht, ist ein Re-import der Propaganda der KPC! "Man muss kein Dissident sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass das chinesische Programm stark an den Stil sozialistisch-kommunistischer Propaganda erinnert." stellt ein weiterer deutscher Journalist Frank Hessenland in seinem Deutschlandradio-Bericht über das DW-Chinaprogramm fest.

Uns macht es nichts aus, wenn die deutschen Medien nicht über unseren Widerstand berichten. Aber wir müssen uns dagegen wehren, dass die Propaganda der KPC in Deutschland mit öffentlichen Mitteln betrieben wird. Man darf nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit scheinbaren Wirtschaftserfolgen, die keineswegs auf die Führung der KPC zurückzuführen sind, Verbrechen tarnen und rechtfertigen, die nach dem deutschen Grundgesetz bestraft werden müssen.

Thomas Heberer, der einen offenen Brief gegen die Kritiker am DW-Chinaprogramm initiiert hat und andere Unterzeichner werden seit 10. Oktober, kaum einen Tag nach der Veröffentlichung ihres Briefes schon in den von der KPC kontrollierten Medien als die 49 europäischen Prominenten gefeiert, während die Kritiker insbesondere ich als "Anti-China-Kräfte", "Falun Gong-Elemente" usw. angeprangert werden.

Auch ein TAZ-Kommentar "China-Bashing hat nichts mit Wahrheitsfindung zu tun - Schlechter Umgangston" vom 21. Oktober wurde am 24. Oktober in einem neuen Propagandabericht der KPC mit folgenden Worten zitiert, "Laut Bericht in der TAZ haben fast alle namhaften Sinologen unterschrieben."

Darüber kann ich nur lachen, denn mir fallen mehr als ein Dutzend deutscher Sinologen ein, die den chinesischen Widerstand respektieren. Einer von ihnen, Jörg Rudolph hat noch in seinem Interview über "Chinas Rolle in der Finanzkrise" am 29. Oktober einem der Unterzeichner Frank Sieren den Ruf als "Chinaexperten" abgesprochen. http://www.epochtimes.de/...

Leider ist der deutsche Sinologe Helmut Martin, der uns tatkräftig unterstützte, gestorben. Aber seine Witwe Tienchi Martin-Liao unterstützt uns von Washington aus mit einer Antwort auf die "europäischen Prominenten" und ich fühle mich bestätigt und ermutigt durch das folgende Zitat: "Ein echter Intellektueller wird sich nie mit den Mächtigen arrangieren; einem hemmungslos totalitären Regime sollte er mit um so größerer kritischer Wachheit und Reserviertheit gegenüberstehen und den Mächtigen das Leben so unbequem wie möglich machen."

Ihr offener Brief "Sagt den Mächtigen die Wahrheit" wurde von etwa 120 Regimekritikern aller Farben weltweit unterschrieben.http://www.observechina.n... Was mich freut, ist, den Namen Gabriele von Sivers-Sattler zu sehen, sie ist eine deutsche Sinologin. Eine französische Sinologin, Marie Hozmann, die Interviews auf Chinesisch geben kann, im Vergleich zu den Gästen im DW-Chinaprogramm, also eine echte Chinaexpertin steht auch auf der Seite der Machtlosen.

Wir alle lieben China und die chinesische Kultur, deshalb kritisieren wir die KPC, die das Volk und das Land von einer Kampagne bzw. Katastrophe in die nächste geführt hat. Die neueste Kampagne der KPC heißt Verfolgung von Falun Gong, begann im Juli 1999 und dauert noch an.

Heberer verurteilt nicht die KPC, die mit Gewalt und Lügen die Menschen unterdrückt und verfolgt, aber er erlaubt sich, Falun Gong, die von der KPC verfolgte, vom Volk geliebte buddhistische Schule bei jeder Gelegenheit zu diffamieren. Sein offener Brief wird in den roten Medien nicht nur bejubelt, sondern liefert auch Munition gegen Falun Gong. In dem Propagandabericht darüber heißt es: "Der offene Brief hat noch das wahre Gesicht der sogenannten 'Dissidenten' enttarnt und darauf hingewiesen, dass sie entweder 'Falun Gong' Elemente sind oder mit 'Falun Gong' in Verbindung stehen. "

Die 9 Unterzeichner des ersten Offenen Briefes sind zwar alle gegen die Verfolgung von Falun Gong, aber nur die promovierte Agrarwissenschaftlerin Huang Sifan könnte man als Falun Gong-Aktivistin bezeichnen, alle anderen sind Systemkritiker wie die promovierte Soziologin Wang Rongfen oder Organisationsführer wie der Vorsitzende der FDC Fei Liangyong. Sie sind genau wie ich der Meinung, dass Heberers Brief den Stil der KPC hat und Heberer nicht mutig genug ist, um die KPC als die größte Politsekte der Menschheit zu verurteilen. Sie sind gegebenenfalls bereit, an alle Unterzeichner von Heberers Brief den Unterlassungsanspruch gerichtlich zu stellen.

Ich als Exildichterin fühle mich berufen, allen verfolgten Menschen in der VR China meine Stimme zu verleihen. Ich bin dankbar dafür, dass ich von Köln aus in beiden Sprachen der Propaganda der KPC entgegenwirken kann. Ich bedauere, dass ich erst im Jahr 2002 dazu kam, Falun Gong kennenzulernen und zu verteidigen.

Köln, November 2008