Leserartikel-Blog

Keine Ehre für Günter Grass

1 Grass wird in den Medien der KP Chinas gerühmt

Am 23. Oktober erschien in den von der Kommunistischen Partei Chinas geführten Medien ein weiterer Propagandabericht über die Deutsche Welle unter der Schlagzeile "Der deutsche Nobelpreisträger Grass unterstützt Zhang Danhong" http://news.xinhuanet.com...

Zhang Danhong hat als Chinaexpertin der Deutschen Welle für die Olympischen Spiele 2008 in Peking propagiert, obwohl das Regime sogar im Namen von Olympia die Menschenrechte verletzte. Während die Regimekritiker aller Farben Zhang als Sprachrohr der KP Chinas kritisieren, wird Zhang von der KP Chinas und den deutschen Regimeliebhabern gerühmt und verteidigt.

In dem genannten Bericht hieß es, "Der 81- jährige Grass hat sich ausführlich über den Fall Zhang Danhong informiert. Nach ernsthafter Überlegung hat er den offenen Brief unterschrieben. Dieser offene Brief hat jetzt Unterschriften von mehr als 100 Menschen, meistens Prominenten aus der Politik, der Kultur und der Wissenschaft. Grass wird als 'Gewissen der Zeit' bezeichnet". Der Initiator des gemeinten offenen Briefs heißt Thomas Heberer und wird im DW-Chinaprogramm gerne interviewt. In seinem Interview am 22. Juli behauptet er: "Deshalb ist die KP Chinas zur Zeit die Garantie für die Stabilität und den Wohlstand in China". Das ist nur ein Beispiel dafür, wie Heberer das Terrorregime rechtfertigt. Die Propagandisten der KP Chinas pflegen, Recht und Unrecht zu verdrehen, Schwarz für Weiß auszugeben.

Bevor Grass mit seiner Unterschrift dem chinesischen Widerstand gegen die KP Chinas in den Rücken fiel, wollte ich ihn lieber ignorieren als kritisieren. Nun erlaube ich mir, meine Meinung über ihn kundzutun, auch wenn es mir unangenehm ist, ältere Menschen zu verurteilen.

Wenn ich nach meiner Promotion 1996 an der Pekinger Universität als Germanistin hätte arbeiten können, wie ich mir wünschte, hätte ich auf keinen Fall Grass als Repräsentanten der deutschen Gegenwartsliteratur vorgestellt, wie er jetzt in der VR China dargestellt wird. Denn dank meines Studiums konnte ich ihn mit anderen Schriftstellern, wie z. B. Wolf Biermann, vergleichen.

Ich habe in den neunziger Jahren extra einem bekannten Übersetzer ein Buch von Biermann geschenkt, in der Hoffnung, dass er Biermann übersetzen könnte. Der Gemanistik-Professor an der Pekinger Universität hat danach alles andere übersetzt, aber keinen Biermann. Biermanns Erfahrungen und Erkenntnisse in der Ex-DDR könnten die chinesischen Leser ermutigen, dem verlogenen Regime Widerstand zu leisten.

Wenn ein normaler Chinese aber das Werk von Günter Grass liest, kann er sich noch einbilden, wie gut er es hat, in der VR China zu leben. Das war meine Erfahrung in den achtziger Jahren, als ich das Tagebuch der Anne Frank in China las.

Grass ist jedenfalls derjenige ausländische Schriftsteller, der jetzt in der VR China offiziell am meisten anerkannt wird, während unabhängige chinesische Schriftsteller entweder im Gefängnis oder im Exil landen. Der chinesische Nobelpreisträger Gao Xingjian, der nach dem Pekinger Massaker öffentlich aus der KP Chinas austrat und jetzt in Paris lebt, wird auch in den Medien der KP Chinas totgeschwiegen. Mein Name fand nur wegen meiner Kritik an Zhang Danhong als "Anti-China-Kraft", "Falun Gong Element" usw. in den Medien der KP Chinas Erwähnung.

2 Grass ist ein Mitläufer geblieben

In meinem Geburtsjahr 1966 warf Grass dem CDU-Bundeskanzlerkadidaten Kiesinger vor: "Wie sollen wir der gefolterten und ermordeten Widerstandskämpfer, wie sollen wir der Toten von Auschwitz und Treblinka gedenken, wenn Sie, der Mitläufer von damals, es wagten, heute hier die Richtlinien der Politik zu bestimmen?" Dabei war er selbst ein Mitläufer und hatte das nur verschwiegen, während Kiesinger nicht gelogen hatte. Grass kann nicht als Gewissen bezeichnet werden, denn das Gewissen verlangt Ehrlichkeit.

Zu recht wurde Grass ein Platz in der Hall of Shame zugewiesen, nachdem sein Opportunismus durch das Geständnis im Jahr 2006, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, noch einmal augenfällig wurde.

"Ekelhafte Altmännerliteratur", das harte Urteil von Elke Heidenreich in Bezug auf Grass, leuchtet mir ein. Die chinesischen Germanisten und Übersetzer hatten zuerst auch Schwierigkeiten mit den obszönen Beschreibungen in seinem Werk. Aber nach dem Pekinger Massaker 1989 liess das Regime die Freiheiten unter der Gürtellinie zu, so hat man unter der Führung der KP Chinas keine andere Wahl als Gefallen an der Obszönität eines Nobelpreisträgers zu finden. Und Grass fungiert sogar als Vorbild. Ein von der Armee der KP Chinas unterhaltener Schriftsteller Mo Yan hätte ohne Grass sein obszönes Buch "Üppige Titten und fette Ärsche" nicht schreiben können.

Grass muss ein von den braunen Nazis geschädigter Mann sein, wie seine eigene Romanfigur, der Blechtrommler Oskar. Andernfalls kann man nicht erklären, dass er das Weiterleben der DDR als Garantie gegen Auschwitz propagierte. Denn die Ex-DDR und die VR China sind genau wie Nazi-Deutschland totalitäre Regime, die Menschen unterdrücken und verfolgen.

Nun liefert Grass mit seiner Unterschrift einen weiteren Beweis dafür, dass er sich noch nicht ganz entnazifiziert hat. Die VR China hat sich nach dem Pekinger Massaker zu einem Nazi-China entwickelt, in dem nicht nur die Olympischen Spiele als Propagandashow missbraucht wurden, sondern auch Menschen systematisch verfolgt, deportiert und ermordet werden, wie im Dritten Reich. Grass protestiert nicht gegen die roten Faschisten, sondern kritisiert die USA, obwohl die USA trotz aller Missstände Demokratie weltweit fördert, die erst als Garantie gegen den Holocaust gelten kann.

Genau wie Thomas Mann und Co. während der Nazizeit finden auch Regimegegner wie Wei Jingsheng Zuflucht in den USA. Die Exil-Chinesen in den USA leisten einen großen Beitrag zum chinesischen Widerstand gegen die KP Chinas.

Am 7. November erschien eine weitere Antwort auf den offenen Brief mit der Unterschrift von Grass in einer von der KP Chinas blockierten Internetseite in den USA. Die 16 chinesischen Bürgerrechtler leben aber in der VR China. Dennoch sind sie mutig genug, den deutschen "Chinafreunden" zu widersprechen:

"Was der offene Brief vertritt, ist nichts anderes als Appeasement der KP Chinas. Sie behaupten zwar, 'für die Wahrung der Grundsätze journalistischer und wissenschaftlicher Professionalität, Eigenverantwortung und Objektivität...' einzutreten, aber Sie widersprechen diesem Lippenbekenntnis - denn Ihnen ist die Propaganda von Zhang Danhong à la Goebbels nicht nur gleichgültig, sondern Sie verteidigen und fördern diese auch noch."

Während die Regimekritiker im In- und Ausland trotz der Verfolgung durch die KP Menschenrechte und Grundwerte verteidigen, verteidigt Grass wie andere "europäische Prominente" eine Chinaexpertin der Deutschen Welle mit antidemokratischer Haltung.

Grass trägt erneut dazu bei, Täter als Opfer zu stilisieren.

Haben die chinesischen Demonstranten in Shanghai am 13. Oktober nicht laut und deutlich gerufen? "Nieder mit den Faschisten! Nieder mit den Kommunisten!"

Köln, November 2008