Leserartikel-Blog

Mit Ironie und Chuzpe - Die Festivalmacher von Biberach

Verführerisch lächelt "Theresa K." in die Kamera. „Ich freu mich auf euch,“ sagt sie einladend. Und in diesem Jahr werden wohl mehr Menschen denn je der Einladung folgen. Der Einladung zum Kurz- und Dokumentarfilmfestival B.I.F.F., wie sich das Biberacher Independent Film Festival nennt.
 Halbe Sachen zu machen ist offenbar nicht so das Ding der beiden Festivalorganisatoren. Uli Stöckle, selbst Filmemacher und Dierk Andresen haben jetzt den bereits dritten Trailer zu ihrem Festival ins Netz gestellt. Und bis zum Festivalbeginn im Oktober soll jeden Monat ein weiterer
folgen. Das Team Stöckle/Andresen ist schon seit Jahren auf YouTube präsent. Da gibt es zum einen ihre schrägen Beiträge für das Projekt Kettenvideo
Und Stöckle hat sowieso bereits über 100 Filme auf YouTube eingestellt – vom kurzen Werbespot über Dokumentarfilme bis hin zum satirischen Film „Zeitgeist“, der fast 45 Minuten dauert. Publizistisch begleitet wird die Videoproduktion von Biberachs alternativer Website Weberberg.de; für manche ist sie zu Recht Träger des Ehrenamtspreises des Landkreises Biberach, für andere eher eine unerwünschte Skandalwebsite in einer von der Schwäbischen Zeitung beherrschten Region.   Die drei Trailer für das B.I.F.F. sind ganz unterschiedlich gehalten. Der erste macht sich selbstironisch über das auch in der kleinen Stadt vielen unbekannte Filmfestival lustig und auch über die Wikipedia, die ihm wichtigtuerisch und schlecht informiert einen Eintrag verweigerte. Der zweite Trailer präsentiert demgegenüber einen Quantensprung: die Begeisterung für den Förderverein des Festivals, der mittlerweile über 550 Mitglieder hat. Aber auch er ist mit einer deftigen Portion Ironie versehen. Der dritte schließlich, der mit Motiven aus Shining spielt, sattelt noch mal drauf. Offenbar haben die Macher ihre Freude an der eigenen Demontage.  Dabei ist das Festival durchaus Ernst zu nehmen. Zum ersten wurden 20 Filme eingereicht, zum zweiten im Jahre 2005 bereits 40 und jetzt vor Frühlingsanfang liegen schon fast zehn Filme vor, eine Zahl, die wohl noch deutlich ansteigen wird, wenn sich in der Szene herumgesprochen hat, dass die drei Preise – für den besten Film, den besten Dokumentarfilm und den Local Hero Award – dotiert sein werden. Zu den Einreichkategorien gehört auch eine mit dem Titel „Rumhitlern“. Als Special wird das B.I.F.F. hierzu mit "Diktatoren küssen besser" von den Recalde Sisters aufwarten.  Massen von Zuschauern darf man bei einem solchen Festival nicht erwarten. So etwas muss wachsen. Das ist eine Erfahrung, die auch das große Biberacher Filmfest, mittlerweile im 30. Jahr, gemacht hat.  Und auch ein Festival wie das originelle „Festival des gescheiterten Films“, mit dem das B.I.F.F. kooperiert. Überhaupt gibt es in diesem Jahr mehr Kooperation denn je: mit
Filmwebsites, Kinos und verwandten Einrichtungen. Die wichtigste davon ist wohl Indie-Stars.de. Ihr Betreiber Thomas Bohn hat sich nicht nur als Tatort-Regisseur einen Namen gemacht. Der Fan unabhängiger Filmproduktionen bietet mit Indie-Stars eine Plattform für sie und wird beim B.I.F.F. die Preise für die beliebtesten Filme des Jahres 2007 übereichen.  Das alles macht die Festivalmacher von Biberach optimistisch. „Beim zweiten Festival hatten wir weniger BesucherInnen als beim ersten. Aber jetzt sind wir ungleich präsenter im Web und den Medien,“ sagt Dierk Andresen, der die Rolle des „Künstlerischen Leiters“ des Festivals gibt, dem der Technische Leiter Uli Stöckle zur Seite steht. Was der an filmtechnischem Know-how mit einbringt, belegen die Trailer eindrucksvoll. Veranstaltungsort wird das Agenturhaus Biberach sein, in dem die Fotografen Ellen Schmauß und Andreas Reiner tätig sind. Der große Saal mit seinen fast sieben Meter hohen Räumen .bietet das ideale Ambiente für ein solches Festival.   Die Mittelstadt Biberach an der Riß darf sich also zweier Filmfestivals rühmen.  Für das kleinere,
das zweite, hat es wohl auch ein gewisses Maß an Chuzpe gebraucht, denn es kam beim Filmfest Biberach gar nicht gut an, dass einfach jemand kommt und parallel ein zweites Festival veranstaltet. Abbringen ließen sich die Festivalmacher aber nicht. „Der Herbst ist ein guter Termin und wenn wir unsere BesucherInnen, die von weiter her angereist kommen, auch noch zum anderen Festival schicken können,“ so Andresen, „dann haben alle etwas davon.“Die Vorfreude auf das Festival wächst in Biberach. Und das nicht nur bei B.I.F.F.-Hostess Theresa K.