Leserartikel-Blog

Zitatesammlung zu den Wurzeln westlicher Misogynie

Wer die Kommentarschlacht um Alice Schwarzers letzten Artikel hier verfolgt hat, hat sich vielleicht gewundert über die häufig unsachliche Diskussion. Auch im Nachgang versuchen Einzelne noch die dargestellten Zusammenhänge zu begreifen:
"Das Tim K. gewaltiges Problem mit Sexualität bzw. in dem Umgang mit dem weiblichen Geschlecht hatte, steht hier nicht zur Debatte. Sicherlich war er schwer gestört in dieser Hinsicht, jedoch kann man aus diesem Einzelfall nicht augenblicklich ein fundamentales Paradigma unser Gesellschaft machen." können wir heute hier lesen.

Da im Forum häufig das Phänomen der Frauenverachtung (Misogynie) in seinen beschämend großen Ausmaßen geleugnet wird, möchte ich interessierten Lesern einige historische Zitate von i.d.R. Philosophen über Frauen zugänglich machen. Es handelt sich auch nicht um ein ausgestorbenes Phänomen, wie sich vielleicht schon an diesem Beispiel erkennen lässt:
»Stell dir vor, eine Welt ohne Prostitution! Das ist doch Wahnsinn, dann wäre dauernd Krieg!«

Stand hier.

Meine Meinung hat sich da nicht verändert: Mal wieder ein Meisterstück männlicher Logik: wenn es keinen Sex gegen Geld gäbe würden (noch mehr) Männer wahnsinnige Mörder? Hallo??? Was für ein Weltbild ist das? Ach ja, geprägt durch sowas:

"Wie jeden Tag beobachtet er den Dialog der Körper vor seinem Fenster: wie Frauen Verführung planen und verkaufen, wie Freier, die glauben, sich alles kaufen zu können, auf Zurückweisung reagieren."

Um jetzt nicht schon mit der Bibel anzufangen konzentriere ich mich in der nun folgenden Auswahl auf die Sicht derer, die als unsere "Aufklärer" gelten:

«Wir haben zwei Wunder erlebt: das eine, daß Newton dieses Werk schuf, und das andere, daß eine Frau es übersetzte und erläuterte» Voltaire über die Marquise du Chatelet in: Kritische und satirische Schriften, übersetzt und hrsg. von K. Horst u.a., München 1970

«Die Frau liebt im allgemeinen die Künste nicht, versteht sich auf keine einzige, und an Genie fehlt es ihr ganz und gar. … Die Schriften der Frauen sind alle frostig, aber doch hübsch wie sie selber. Man lasse sie auch noch so geistvoll geschrieben sein, es ist doch keine Seele und kein Leben darin, tausendmal eher wird man vernünftige Gedanken als die Sprache der Leidenschaften darin finden. Die Frauen wissen nicht einmal die Liebe selbst zu beschreiben und zu fühlen. Einzig Sappho, soviel ich weiß …» Jean-Jacques Rousseau: Schriften, hrsg. von H. Ritter, München 1978

«Wenn es nur vernünftige Männer auf der Welt gäbe, so bliebe jedes gelehrte Mädchen ihr Leben lang alte Jungfer.» Rousseau: Schriften, hrsg. von H. Ritter, München 1978

«Die Ideen von Gerechtigkeit, Tugend, Laster, Güte, Bosheit schwimmen an der Oberfläche ihrer Seele. Eigenliebe und Egoismus dagegen haben sie in ihrer ganzen natürlichen Kraft erhalten. Sie sind zwar äußerlich zivilisierter als wir; aber innerlich sind sie wahre Wilde geblieben, mindestens ganze Machiavellisten.» Denis Diderot: Erzählungen und Gespräche, übersetzt von Katharina Scheinfuss, Leipzig 1953

«Marquis: Wie definieren Sie die Frau? – Chevalier: Ein von Natur aus schwaches und krankes Wesen.» Ferdinando Galliani: Die französischen Moralisten, Bremen 1963, Bd. II

«Ob an sich dem weiblichen Gechlechte nicht alle Menschen- und Bürgerrechte so gut zukommen, als dem männlichen; darüber könnte nur der die Frage erheben, welcher zweifelte, ob die Weiber auch völlige Menschen seyen. Wir sind darüber nicht im Zweifel, … Aber darüber: ob und inwiefern das weibliche Geschlecht alle seine Rechte ausüben und auch nur wollen könne, könnte allerdings die Frage entstehen.» Johann Gottlieb Fichte: Werke, hrsg. von I.H. Fichte, Berlin 1971

«Bei dem Mann ist die Schönheit eine Zugabe und ein freies Geschenk der, über den einseitigen Geschlechtscharaktertrieb siegenden Menschheit in ihm; vom Weibe wird sie als eine Schuld, die das Geschlecht entrichtet, wie die Weiblichkeit selbst, verlangt.» Wilhelm von Humboldt: Über den Geschlechtsunterschied, in: Werke, Stuttgart 1960, Bd. 1

«Die männliche Eifersucht hat sich immer gegen die weiblichen Schriftsteller gewandt, die Philosophie hat sie von den akademischen Ehren ferngehalten und sie schimpflich in die Küche zurückgeschickt. Gebührte aber nicht den gelehrten Frauen diese Schmach? Der Sklave, der seinen Herrn nachäffen will, verdient nur einen Blick der Verachtung von ihm.» Charles Fourir: Der Frühsozialismus, hrsg. von Tilo Ramm, Stuttgart 1956

«Die oberste, unsere Wahl und Neigung leitende Rücksicht ist das Alter. Im Ganzen lassen wir es gelten von den Jahren der eintretenden bis zu denen der aufhörenden Menstruation, geben jedoch der Periode vom achtzehnten bis achtundzwanzigsten Jahre entschieden den Vorzug. (…) Jugend ohne Schönheit hat immer noch Reiz; Schönheit ohne Jugend keinen.» Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Zürich 1977, Bd. IV, Bd. II, Bd. X

«Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, daß das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist. Es trägt die Schuld des Lebens nicht durch Thun, sondern durch Leiden ab, durch die Wehen der Geburt, der Sorgfalt für das Kind, die Unterwürfigkeit unter den Mann, dem es eine geduldige und aufheiternde Gefährtin seyn soll.» Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Zürich 1977, Bd. IV, Bd. II, Bd. X

«Grundfehler des weiblichen Charakters Ungerechtigkeit (…). Er entsteht zunächst aus dem dargelegten Mangel an Vernünftigkeit und Ueberlegung, wird zudem aber noch dadurch unterstützt, daß sie, als die Schwächeren, von der Natur nicht auf die Kraft, sondern auf die List angewiesen sind; daher ihre instinktartige Verschlagenheit und ihr untilgbarer Hang zum Lügen.» Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Zürich 1977, Bd. IV, Bd. II, Bd. X

«Weil im Grunde die Weiber ganz allein zur Propagation (Fortpflanzung) des Geschlechts da sind und ihre Bestimmung hierin aufgeht; so leben sie durchweg mehr in der Gattung, als in den Individuen» Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Zürich 1977, Bd. IV, Bd. II, Bd. X

«Zwischen Männern ist von Natur aus bloß Gleichgültigkeit; aber zwischen Weibern ist schon von Natur Feindschaft.» Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Zürich 1977, Bd. IV, Bd. II, Bd. X

«Sie bedürfen stets eines Vormundes; daher sie in keinem möglichen Fall die Vormundschaft ihrer Kinder erhalten sollten. Die Eitelkeit der Weiber, selbst wenn sie nicht größer als die der Männer seyn sollte, hat das Schlimme, dass sie sich ganz auf materielle Dinge wirft, nämlich auf ihre persönliche Schönheit und nächstdem auf Flitter, Staat, Pracht.» Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Zürich 1977, Bd. IV, Bd. II, Bd. X

«Sie ist weniger als der Mann für die Stetigkeit und die Wirksamkeit der geistigen Arbeit geeignet, da ihre geistigen Fähigkeiten eine geringere innere Kraft haben; es folgt dies aus ihrer lebhafteren moralischen und physischen Empfänglichkeit.» Auguste Comte: Die Soziologie – Positive Philosophie, hrsg. von H. Blaschke, Stuttgart 1974

«Das Glück des Mannes heißt: ich will. Das Glück des Weibes heißt: er will.» Friedrich Nietzsche: Werke Bd. I (Zarathustra), hrsg. von Karl Schlechta, München 1972

«Wenn die männlichen Geschöpfe ihrer natürlichen Neigung zum Kämpfen nachgeben und einander töten, so lässt die Natur dies zu, weil die weiblichen Wesen ihrem Zweck unmittelbar, die männlichen ihm dagegen nur mittelbar dienen.» Rabindranath Tagore: Persönlichkeit, übersetzt und hrsg. von Helene Meyer-Franck, München 1921

«Ich glaube, man kann nicht abstreiten, dass Frauen im Durchschnitt dümmer sind als Männer. Ich glaube, dies ist hauptsächlich auf die Tatsache zurückzuführen, daß ihre sexuelle Wißbegier mit mehr Erfolg abgedrosselt wurde.» Bertrand Russell: Ehe und Moral, übersetzt und hrsg. von Uvo Hölscher, Frankfurt (Main) 1969

«Zu den männlichen Exzessen in der Geschichte, sowohl zu jenen der Ideen als zu solchen der Sitten und Moden, hat die Frau, (…) stets eine fast ans Wunderbare grenzende Ruhe und Konstanz bewahrt. Mit der schönen geruhsamen Gelassenheit des Baumes, (…) steht sie im Grunde ihres Seins vor der ruhelosen Dramatik der Männergeschichte…» Max Scheler: Vom Umsturz der Werte, Leipzig 1923

«Der Zustand der sexuellen Erregtheit bedeutet für die Frau nur die höchste Steigerung ihres Gesamtdaseins. Dieses ist immer und durchaus sexuell. … Das Bedürfnis, selbst koitiert zu werden, ist zwar das heftigste Bedürfnis der Frau, aber es ist ein Spezialfall ihres tiefsten, ihres einzigen vitalen Interesses, (…) des Wunsches, dass möglichst viel, von wem immer, wo immer, wann immer, koitiert werde.» Otto Weiniger: Geschlecht und Charaker, Leipzig 1919

«Das bedeutet vom Standpunkt der menschlichen Selektion, daß die Frau mit ihrer Gefühlswelt nicht an der Vervollkommnung der Spezies mitarbeitet; wenigstens nicht in dem Sinn, in dem wir Männer davon sprechen.» José Ortega y Gasset: Über die Liebe, übersetzt und hrsg. von Helene Weyl, München 1978, S. 174

«Der Beruf des Weibes, wenn es nichts als Weib ist, besteht darin, das konkrete Ideal (die Bezauberung, die Illusion) des Mannes zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.» Ortega: Über die Liebe, übersetzt und hrsg. von Helene Weyl, München 1978, S. 176

«Unglaublicherweise sind manche Leute blind genug, um zu meinen, die Frau könne durch Wahlrecht und Doktorgrad auf die Weltgeschichte ebenso nachhaltig einwirken, wie sie es vermöge jener magischen Kraft der Bezauberung bereits tut. (…) Jedenfalls ist es nicht das Tun, sondern das Wesen, womit die Frau den Mann zu sich hinzieht. Deshalb braucht der grundlegende Anteil der Frau an der Weltgeschichte auch nicht in Taten, nicht in Unternehmungen bestehen, es genügt die stille, reglose Anwesenheit ihrer Person.» Ortega: Einfluß der Frau, in: Triumph des Augenblicks, Stuttgart 1960, S. 103ff

«Das strenge erhabene Hindu-Ideal der Frau beherrscht die echte Hindu-Frau noch immer. Wenn er treulos ist, muß ich treu bleiben. Wenn er schwach ist, muß ich fest bleiben. Wenn er eine andere begehrt, muß ich auf seine Rückkehr warten.» Sarvepalli Radhakrishnan: Meine Suche nach Wahrheit, übersetzt von H.-D. Lohnherr, Gütersloh 1961

«Die Männer in China sind gewöhnlich drei zusammenhängenden Machsstrukturen (der staatlichen Macht, der Sippenmacht und der Macht der Religion) unterworfen (…). Die Frau ist außer den drei genannten Mächten auch noch dem Manne unterworfen (Macht des Ehemannes).» Mao Tse-Tung/Mao Ze-Dong: Worte des großen Vorsitzenden, übersetzt und hrsg. von D. Eikemeier u. a., Frankfurt (Main) 1969, S. 131

«Die Mutter, die einen Beruf ausübt, ist etwas völlig anderes als die Mutter, deren Lebensaufgabe die Erziehung der Kinder war. Der Beruf verdinglicht ihre Gedanken. Dazu kommt noch etwas anderes. Sie ist gleichberechtigt. Sie strahlt, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr die Liebe aus wie vorher.» Max Horkheimer: Sehnsucht nach dem ganz Anderen, Hamburg 1970, S. 80, Fischer-Verlag

«Ich möchte lieber mit Ihnen ganz kurz noch erörtern, was mir äußerst wichtig erscheint, anknüpfend an eine Bemerkung (…) von Jean-Paul Sartre in «L’etre et le néant“, wo er sagt, daß die Glücksfähigkeit der Frau, der Frau nicht als Arbeitsinstrument, sondern als Lustspender, gerade darin liegt, daß die Frau nicht direkt am Produktionsprozeß teilnimmt. Er geht da in genaue Einzelheiten. Die Teile des Körpers, die am wenigsten mit der Arbeit zutun haben, sind die lustbesetztesten, und je näher die Frau, organisch sowohl wie psychologisch, dem Arbeitsprozeß kommt, desto geringer wird die Lustfähigkeit. (…) Aber das ist eine äußerst zwiespältige problematische Sache, weil es natürlich nie so formuliert werden darf, als ob man nun gegen die Berufsemanzipation der Frau sei.» Herbert Marcuse, in: Jürgen Habermas, Silvia Bovenschen u.a.: Gespräche mit Marcuse, Frankfurt (Main), 1978

«Man wird primär Männer beschäftigen, weil da doch schließlich und endlich jemand den Haushalt machen muß. Ganz irrational ist das ja nun auch nicht. Der Haushalt ist immerhin noch nicht so mechanisiert, daß ihn gar keiner zu machen brauchte.» Herbert Marcuse, in: Jürgen Habermas, Silvia Bovenschen u.a.: Gespräche mit Marcuse, Frankfurt (Main) 1978

«Zur Frage der Lohnungleichheit möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bemerkung machen – ich sehe nicht ein, wie man es vermeiden will, die besser bezahlten Stellen in der Regel und in Durchschnitt dem Manne vorzubehalten» Arnold Gehlen: Die Stellung der Frau in der Gesellschaft von heute, in: Deutsches Rotes Kreuz, 7, 1957

«Daß die Sorge für die Kinder zumindest über mehrere Jahre schwer mit einer gleichzeitigen Berufstätigkeit zu vereinen ist (…), ist unbestreitbar. Aber was soll’s, das Leben ist nicht einfach und Ihr müßt euch eben Partner suchen, mit denen gemeinsam diese Probleme lösbar werden. Es gibt jedenfalls keinen Grund, weiterhin über die Benachteiligung der Frauen zu klagen. Wohl gibt es aber Grund zu beklagen, daß sie ihre Möglichkeiten nicht nutzen.» Gernot Böhme: Briefe an meine Töchter, Frankfurt (Main), 1995, Insel Verlag

Frage an die (meist männlichen) Menschen, die bisher dem Feminismus jede Basis absprechen: Beginnen Sie zu begreifen?

In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!