Leserartikel-Blog

Weltweite Finanzkrise wird 100 Millionen in Armut stürzen

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise bremst die zuletzt gute Entwicklung aus der Armut in den Ländern der Dritten Welt. Die Gefahr, dass aus der Finanzkrise eine humanitäre Krise wird, ist real. Nach Schätzungen der Weltbank sind allein durch den rapiden Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise in 2008 rund 100 Millionen Menschen wieder in die Armut gerutscht, durch die Rezession könnten noch weitere 100 Millionen weltweit hinzukommen, fürchten die Experten. 13 von 23 der ärmsten Länder, die entschuldet wurden, sind wieder in einer kritischen Situation, es gilt nun, Armut nicht nur zu beseitigen, sondern neue zu verhindern.

Industrieländer wollen die Entwicklungsländer nicht im Stich lassen
Der Ausgang der 2. UN-Konferenz über Finanzierung für Entwicklung (FfD) in Doha, Katar, die nach viertägigen Beratungen gerade zu Ende gegangen ist, war keineswegs sicher. Doch trotz der Billionen Dollar, die in den Industrieländern zur Bewältigung der Finanzkrise aufgebracht werden müssen, stehen die Zusagen dieser Staaten an die armen Länder, ihre Hilfe zu erhöhen nun im Abschlussprotokoll der Konferenz, um somit weitere Armut und humanitäre Krisen zu entgegnen:

Bis 2010 eine Erhöhung auf 130 Milliarden US-Dollar pro Jahr
und bis 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu steigern. Allein für Afrika sollen es ab 2010 mindestens 25 Milliarden Dollar pro Jahr sein. Dies kann man als positives Signal bewerten, obwohl Fortschritte auf dem Weg zur Reform des Welthandels- und Finanzsystems jedoch nicht erzielt wurden. Ein Schritt mehr in Richtung Fairness im Welthandel ist in der momentanen Rezessionsphase wohl realistisch nicht zu erwarten.

Einige Schwellenländer und die USA blockierten vorübergehend die Gespräche in Doha, in denen nun doch eine UN-Konferenz zur Finanzkrise im nächsten Jahr beschlossen wurde, zwischen der G 20, der Gruppe der Industrie- und wichtigsten Schwellenländer, der Weltbank, dem Internationalem Währungsfonds und nun auch mit Vertretern aus allen Entwicklungsländern.

Maßnahmen gegen Kapital- und Steuerflucht in der Dritten Welt
Die Regierungen wollen auch endlich enger in Steuerfragen zusammenarbeiten, da den Entwicklungsländern jährlich Hunderte von Milliarden Euro durch Kapital- und Steuerflucht verloren gehen. Die Bundesregierung will dazu mit anderen Ländern einen Steuer-Pakt gegen Steuerflucht und Steuervermeidung ins Leben rufen, was in Doha auf breite Unterstützung traf.

Warten auf Obama
Aus den Industrieländern war als Staatschef allein Nicolas Sarkozy zu den 3000 Delegierten angereist, nicht einmal Weltbank-Präsident Robert Zoellick ließ sich blicken, obwohl er deutlich mehr Geld für arme Länder gefordert hatte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon konnte seine Enttäuschung über die schwache Präsenz der Industrieländer auch nicht verbergen, er hatte sich deutlich mehr Beachtung für die "wichtigste UN-Konferenz" in diesem Jahr erwartet. Alle erwarten nun vom künftigen US-Präsidenten Barack Obama, dass er, wie im Wahlkampf versprochen, die Entwicklungshilfe deutlich aufstockt. Ob er auch die Blockade-Politik der USA gegen Konferenzen und bindende Beschlüsse weltweiter Organisationen, wie den UN, aufgibt, bleibt fraglich.