Leserartikel-Blog

FAQ 'China im Forum'

Warum dieses FAQ?

Wer sich dem Thema 'China' in Internet-Foren beschäftigt,
findet stets die selben Konfliktlinien, die gleichen, mäandernenden
Dialogstrenge, die irgendwann in Beschimpfungen und Beleidigungen übergehen.
Bestenfalls bestrafen die Protagonisten sich gegenseitig mit Ignoranz.Um zum einen die Redundanz zu verringern und die
Entscheidungsfindung (Beschimpfung oder Ignoranz), dazu soll dieses FAQ einen
Beitrag leisten.Wer ist mit China überhaupt gemeint?

Zunächst einmal das Land. Wird jedoch über das politische
System gesprochen, werden 'KP China' und China oft synonym verwandt. Das ist
verwirrend und sollte daher klarer auseinandergehalten werden.

Bis sich diese Regelung durchgesetzt hat, sollte man genau
hinhören bzw. sorgfältig lesen. Es kommt da auf die Zwischentöne an.Warum ist China so wichtig, daß man dazu eine
Meinung haben sollte?
Dafür gibt es viele Gründe, hier nur eine Auswahl:

- China ist mit 1.3 Mrd Menschen das bevölkerungsreichste
Land der Erde. Mit dem seit einigen Jahren erfolgreich installierten
'chinesischen Kapitalismus' hat auch der Ressourcenverbrauch sprunghaft
zugenommen. Konsequenterweise hat auch die Umweltzerstörung in China neue
Dimensionen erreicht. Insbesondere beim den klimarelevanten Emissionen wie CO2
ist China auf dem Weg, Weltspitzenreiter zu werden.

- China ist heute die 'Werkbank der Welt'. Wirtschaftlich
ist China mit dem Rest der Welt verknüpft, es besteht sogar ein gegenseitiges
Abhängigkeitsverhältnis. Eine Weltwirtschaft ohne China ist heute nicht mehr
vorstellbar.

- China agiert als 'neue Kolonialmacht in allen Ländern der
Erde, die Rohstoffe exportieren. Damit ist China ein direkter Konkurrent
Deutschlands auf dem Weltrohstoffmarkt. Diese Markt wird immer knapper und eine
Strategie zur gerechten und nachhaltigen Nutzung der Reserven muß dringend
entwickelt werde.

- China befindet sich im Umbruch und weist alle
dazugehörigen Merkmale auf: hohes Wirtschaftswachstum, machtbewußte und
erfolgreiche Eliten, boomende Kapitalen und arme Landbevölkerung, soziale
Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, Korruption. Diese Spannungen drohen, daß
Land zu destabilisieren, was nur durch einen effizienten Polizeiapparat und
autoritäres Gesellschaftbewußtsein verhindern wird.
Darf denn jeder mitdiskutieren?Sicher - wir leben in einem freien Land!
Welche Bedeutung haben die Menschenrechte für China?

Eine große. Das erkennt man daran, daß, wann immer auf deren
Einhaltung gedrungen bzw. Verletzung hingewiesen wird, eine breite Diskussion
beginnt. Insbesondere die Menschenrechte in Europa und Amerika - in Folge kurz
'der Westen' genannt - liegen den Chinesen, die sich an den Diskussionen
beteiliegen - in Folge kurz 'Forums-Chinesen' genannt - am Herzen. So fordern
die Forums-Chinesen regelmäßig mehr weltweite Gerechtigkeit, eine freie
Berichterstattung sowie Religionsfreiheit vom Westen.Welche Bedeutung haben die Menschenrechte in China?

Die Menschenrechte sind dem ökonomischen Erfolg Chinas
vollständig untergeordnet. Alles, was dem wirtschaftlichen Aufschwung im Wege
steht, sieht die KP China als Bedrohung. Dementsprechend reagiert sie auch
darauf. Details dazu folgen weiter unten.Warum sind die Forums-Diskussion äußerst unerbittlich bis
hin zu persönlichen Angriffen, wenn man sie auf Menschenrechtsverletzungen
hinweist?

Das läßt sich zum einen aus dem Spannungsverhältnis
erklären, daß aus dem scheinbaren Widerspruch der beiden vorherigen Antworten
entsteht. Die beiden Bedeutungshorizonte von Menschenrechten (für ein Land, in
einem Land) sind selten vollständig kongruent, selbst 'im Westen' nicht. In
China steht nun aber die kommunistische Partei vor dem Problem, daß sie der Weltöffentlichkeit
eine Verbesserung der Menschenrechtssituation zugesagt hat.

Nun beginnt 'der Westen', dieses Versprechen einzuklagen.
Die KP China hält dagegen mit der Argumentation, daß ja bereits eine Menge
Verbesserungen erzielt worden sind und jeder weitere Fortschritt zur Unzeit das
System destabilisieren würde. Daher ist - für eine nicht festgelegt Zeitspanne
- die Verletzung von Menschenrechten unbedingt nötig - insbesondere für den
Weltfrieden.

Um die ganze Argumentation nun kurz zu schließen: Die Einforderung
von Menschenrechten für China ist eine Bedrohung des Weltfriedens, da deren
Umsetzung das aktuelle politische System destabilisieren würde, was soziale
Unruhen, Staatszerfall und Bürgerkrieg mit Atomwaffen zur Folge hätte. Warum laufen viele Diskussionen ins Leere bzw. zeichnen sich
die Diskurse durch eine Belegarmut aus?

Auch hier geht es wieder um den Weltfrieden. Den -
zweifelsfrei vorhandenen - Menschenrechtsverletzungen in China darf auf keinen
Fall Aufmerksamkeit in irgendeiner Form geschenkt werden. Nur durch das Leugnen
und Totschweigen solcher Vorfälle ist die Stabilität Chinas bzw. des dortigen
politischen Systems sichergestellt. Alles andere gefährdet den Weltfrieden.
Somit begreifen sich viele Forums-Teilnehmer als 'Streiter für den Weltfrieden'
und sind entsprechend dem Ziel engagiert bis hin zur Boykottstille, damit eine
Diskussion nur nicht durch Tatsachenauslotung einen Unfriedenszustand in der
Welt herbeiführt.Wenn China durch Aufmerksamkeit den Weltfrieden gefährdet
sieht, warum finden dann in Peking die Olympischen Spiele statt?

Weil die KP China findet, daß ein so tolles Land wie China,
daß sich in einem historisch einmaligen Kraftaufwand für den Weltfrieden
einsetzt, dies auch einmal der Weltöffentlichkeit präsentieren sollte. Warum honoriert der Westen die Anstrengungen Chinas für den
Weltfrieden nicht?

Leider ist das Interesse des Westen an den Weltfrieden 'chinesischer Prägung' völlig
unterentwickelt. Dieser will lieber als IOC und Coca-Cola Märkte in Asien erschließen
und über die Menschenrechte diskutieren. Warum bemüht sich die KP China trotz dieser Probleme aber
immer noch um Anerkennung 'im Westen'?

Weil China vom Westen abhängig ist (umgekehrt gilt das
gleiche). Hinzu kommt, daß die Zuneigung des Westens für die KP China eine
emotionale Sache ist, da sowohl deren abgestreifte Ideologie (Komminismus) als
auch deren aktuelle Ideologie (Kapitalismus) aus dem Westen importiert sind. Um
es kurz zu fassen: der gesamte staatlich-materialistische Ideologie-Apparat der
KP China ist ein 'Westimport'. Warum hat die KP China stets Angst vor einem
Gesichtsverlust, wenn Kritik bzgl. China geäußert wird?

Das sind die Auswirkungen von retardierte Aufklärung und
traditioneller Autoritätshörigkeit. Kritik wird immer als vollständige
Ablehnung und gänzliche Infragestellung verstanden. Sie wird nicht als
wesentlicher Bestandteil eines kontinuierlicher Verbesserungsprozesses
begriffen.Warum fällt es der KP China so schwer, sich auf eine
Verhandlung über den Autonomiestatus von Tibet einzulassen?

Weil es auch hier wieder um den Weltfrieden geht. Zum einen
sieht die KP China die innere Einheit Chinas und damit den Weltfriedenb durch
Tibet-Verhandlungen gefährdet.

Zum anderen will man sich nicht die Vorreiterrolle bei der
Bewahrung des Weltfriedens durch eine diplomatische Aufwertung des Dalai Lamas
streitig machen lassen.Ist der Stolz der Chinesen und deren Liebe zu ihrem Land
trotzdem berechtigt?

Absolut ja. Bei den Anstrengungen und Opfern für den
Weltfrieden. Warum freut sich China auf die Olympischen Spiele?

Dieses Phänomen ist nur mit dem 'Weihnachtsgeschenke'-Effekt
zu verstehen. Weil man nicht weiß, was in den Paketen drin ist, ist die
Überraschung oft riesengroß. Freude und Enttäuschung sind dabei dem Zufall
überlassen, insbesondere, wenn die Geschenke von entfernten Verwandten stammen.
Was ist von den Olympischen Spielen in Peking zu erwarten?Eine durchkommerzalisierte Sportveranstaltung im Dienste des
Weltfriedens.