Leserartikel-Blog

Kn = K0 ( 1 + p/100) hoch n

Kennen sie diese Formel ? Wenn nein : es ist die Zinseszinsformel. Wenn sie sie aber schon kannten, dann wissen sie nicht nur, wie sie ihre zukünftigen Zinsguthaben bei der Hausbank ausrechnen können, sondern auch warum weltweit die Banken pleite gehen und warum wir seit Monaten von der "greatest" Wirtschaftskrise seit bestehen des kapitalistischen Geldsystems sprechen. Sie wissen dann überigens auch warum wir diese Krise mitnichten Kreditkrise oder ähnlich nennen sollten, sondern dass der eigentliche Name der Krise "Zinskrise" ist und sein wird.

Ich schreib diesen Artikel aus zwei Gründen:

1.
Zum einen, weil ich hier in diesem Forum und auch an anderen Stellen immer wieder auf die gleichen Reaktionen stosse, wenn andere (hier zB.) oder ich selber (hier zB.) unser gegenwärtiges Geldsystem und dessen integralen Bestandteil, das Zinseszinssystem als unbrauchbar weil endlich beschreiben. Die besagte Reaktion besteht, um es diplomatisch auszudrücken, aus Unverständniss gegenüber dieser Kritik, welches sich meist durch recht nichts sagende Argumente mit dem Tenor "wieso ? uns geht's doch gut" äussert oder auch sehr beliebt mit dem Kommunismus bzw Antikapitalismus Vorwurf abgeschmettert werden soll.

All dies wird uns natürlich nicht helfen aus der Krise die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wieso nicht? Wollen diese Äusserungen die richtigen Schlüsse oder generell Schlüsse absichtlich hintertreiben? Hat man Angst vor der eigenen Erkenntniss? Ist Kommunismus etwa nicht die einzige alternative zum Zinseszins? Kann man denn das Geldsystem überhaupt ändern, etwas, das es schon so lange gibt wie Bethlehem? Es ist schon einiges komplett abgeschafft worden, dass sich letztendlich als Fehler oder Blödsinn herausstellte. Kannibalismus, Menschenopfer bei religiösen Zeremonien etc., um nur die krassesten Beispiele zu nennen. Zinseszins ist leider genauso krass.

Ein wenig mehr Fantasie sollte man also schon aufbringen - zur Not kann man ja auch mal nachdenken ehe man altbackene Vorurteile noch mal aufwärmt. Ich habe jedenfalls noch keinen seriösen Geldsystem-Kritiker erlebt bzw. gelesen, der anstatt des Zinseszinssystems kommunales Eigentum bzw. Kommunismus vorgeschlagen hätte. Und immerhin gibt es auf dem GLobus bereits über 5000 alternative Währungen - zum grössten Teil handelt es sich dabei um so genanntes Freigeld nach Silvio Gesell - in Deutschland alleine 50 verschiedene. Die Alternativen liegen also wohl an anderen Ufern und das Pseudo- Kommunisten-bashing ist doch wohl mehr eine Rundumschlag aus Hilf- und Argumentlosigkeit, wenn nicht gar aus der Angst vor dem eigenen Ungedachten.

Zum Ende der letzten Threads, in dem ich in dieser Hinsicht auf Widerspruch stiess, hatte ich daher einen kleinen Fragenkatalog erstellt. Diesen möchte ich aus Mangel an Resonanz hier noch einmal zur Diskussion stellen. Es handelt sich hierbei um Fragen, die man sich stellen kann, um den eigen Ermessensspielraum zum Thema Zinseszinssystem zu erforschen ehe man sich wohlmöglich mit abwegige Vorurteilen disqualifiziert.

Hier die Fragen:

Wieso ruft die "wall street" oder zB die "deutsche Bank" nach dem Staat, obwohl sie sonst vorgeblich am liebsten nichts mit ihm zu tun hat?

Wieso rufen die Banken nicht nach ihren Kunden und ihren Shareholdern, denen sie immer einen äusserst wohlfeilen und profitabelen Service verkauft haben (Zins), an dem sie nun aber pleite zu gehen scheinen?

Wieso müssen alle "Lösungen" und "Rettungen" wie bisher zwangsläufig Plazebos bleiben, die die Krise nur verlängern anstatt sie zu beenden?

Wieso kann man eine Überschuldung nicht mit mehr Schulden bekämpfen?

Wieso gibt es die Überschuldung ursächlich, und wieso gibt es keine Stimmen und so wenig Antworten zu der Frage nach der systematischen Notwendigkeit der Überschuldung?

Wieso haben sich die amerikanischen Präsidenten bis zu Woodrow Wilsons Präsidentschaft so vehement gegen ein Zentralbanksystem gewehrt?

Wieso wird nicht diskutiert - in diesem Zusammenhang zumal - in wieweit Machterhalt mit der Kontrolle des Geldsystems zusammenhängt? Wer hat die Kontrolle des Wirtschaftssystems durch was?

Wieso wird trotz ständigen Anspielungen auf die so genannte "Umverteilung nach oben" das "Oben" so gut wie nie konkret benannt?

Wieso werden nicht die gehört, welche laengst analysiert und klar dargelegt haben, dass ein auf Schulden basierendes Geldsystem mit Zinseszinssystem eine "Sklaverei auf Raten" ist, berechnend Sozialdarwinismus erzeugt und dem Wohlergehen und der sicheren Versorgung der Menschheit / Allgemeinheit widerspricht?

Wieso werden die gegenseitigen Verpflichtungen von Staat und Finanzwirtschaft in ihrer untransparenten Verfilzungen der Macht nicht thematisiert?

Wieso fragt keiner: wem gehört die Bank? Früher, zB. zu monarchistischen Zeiten, gehörte die Bank im allgemeinen dem König oder den Feudalherrschern, dem Diktator oder Tyrannen - mithin der Macht.

Wieso fragt keiner ob Geldsystem nicht gleich Machtsystem ist?

Wieso werden die Zusammenhänge zwischen geheuchelter, illusionärer Demokratie einerseits und Zentralbanksystem und Zinseszinssystem andererseits nicht entlarvt in ihrer Eigenschaft als ideologisch kaschiertes globales Feudalsystem?

Wieso sehen wir, die eventuell auch von diesem Feudalsystem ein wenig profitieren, nicht endlich ein, das wir uns so in diesem Spiel, das fuer die Haelfte der Menschheit Hunger und Tod bedeutet, in moralischer Beugehaft befinden und dass dies letztendlich wie immer auch uns allen Kopf und Kragen kosten wird?

Wieso stellt keiner die Frage nach der Notwendigkeit von Hierarchie? Hindert daran die Angst vor der "Freiheit"? - vor der Verantwortung? - vor der Selbsterkenntnis? ... oder einfach die komplette Kontrolle unseres Bewusstseins durch das Geldsystem?

Soweit zu Punkt eins. Ich hoffe diese Fragen haben sie in konstruktiver Weise angeregt sich zum Zinseszins Gedanken zu machen. Über eine rege Debatte würde ich mich freuen.

2.
Zum andern stiess ich die Tage auf einen hervorragenden Artikel zu unserer vielbeschriebenen Wirtschaftskrise. Darin werden auf knapp 8 Din A4 Seiten einmal nicht Ursache und Wirkung in dieser Krise verwechselt soviel sei zunächst gesagt.

Der Autor begutachtet darin wie sonst selten vor allem die Bilanzierung der Banken als Ausgangspunkt für eine Konklusion, welche den Passiva in den Bilanzen eine Schlüsselrolle einräumt. In übersichtlichen Diagrammen werden beispielhaft die Entwicklungen der Passiva, das sind die Einlagen der Sparer, auf die Zins und Zinseszins bezahlt werden muss, der deutschen und US-amerikanischen Banken in den letzten Jahrzehnten dargestellt. Die sich daraus ergebenden logischen Schlüsse lassen nicht viel Interpretationsspielraum.

Des weiteren werden anschaulich die Details der Zins- und Schuldenschraube beschrieben mit all ihren versuchten Rettungstechniken durch die Finanzwirtschaft in den letzten Jahren, welche sich aus den Entwicklungen der besagten Passiva ergeben haben. Ersichtlich wird vor allen Dingen hieraus, dass die Banken von der Krise nicht fatal "erwischt" wurden, sondern dass diese alle den nahenden Kollaps sehr wohl schon früh erkennen konnten, ja "errechnet" haben müssen, und dass es trotz diverser Neuerfindungen wie CDS und andere Derivate keine Rettung geben konnte, sondern nur Aufschub vor dem unvermeidlichen Zusammenbruch.

Dieses alles wird rein ökonomisch beschrieben, denn wenn es zu der Frage nach den Gründen der Krise eine Wahrheit gibt, dann liegt sie sicher in den Zahlen selbst. Also enthält sich der Autor Alexander Czerny, zu dem man hier näheres und weitere Artikel zum Thema findet, einer ideologischer Interpretation und analysiert die Fakten.

Die Zwangsläufigkeit des "rechnerischen" Kollapses ist hierbei an die Formel in der Überschrift gebunden, welche seine "Exponentialität", die Zinseszinswirtschaft ausmacht, ebenso wie die Zwangsläufigkeit der sich bei einer Überschuldung der Meisten einerseits auf der anderen Seite bei einigen Wenigen ergebnde Akkumulation von Zinsen - mathematisch und logisch gesehen. Die Folgen dieser Akkumulation als Passiva der Banken erleben wir aktuell als Krise. Da die meisten Menschen, viel Firmen und alle Staaten und Banken selbst schon hoffnungslos verschuldet sind, finden neue Kredite, die massenhaft benötigt werden, um die Zinsen und Zinseszinsen auf die immer höheren Passiva zahlen zu können, keinen Abnehmer mehr. Die Banken gehen pleite an ihrem ehemals besten Geschaeft.

Trotz aller schon erfolgten Deflationsbekämpfungsmaßnahmen wird in dem Versuch der Staaten mit erneuter noch höherer Verschuldung zu Lasten ungefragter und sogar ausgesprochen unbeteiligter "Nichtkreditnehmer" die aktuelle Krise also nicht beendet oder bekämpft werden können, sondern im Gegenteil heftig befeuert, indem durch die "Rettungspakete" weitere Zins und Zinseszinsforderungen erzeugt werden. Da diese "Rettungsgelder", die die fehlenden Aktiva durch fehlende Kredite, durch welche die Banken die sich immer schneller erhöhenden Zinsforderungen nicht mehr bedienen können, in den Bilanzen der Banken ersetzen sollen, ausschliesslich mit Geldmengenvermehrung durch Geldschöpfung/Gelddrucken geschieht, wird ein Kollabieren der einen oder anderen Währung unausweichlich sein. Die wenigen Reichen werden in Vermögenswerte wie Gold oder Landbesitz flüchten können, wähernd alle anderen in der Abwärtsschraube der Wirtschaft scheitern müssen. Die ersten deutlichen Signale setzt der steigende Goldkurs auf der einen Seite und die Arbeitslosenzahlen auf der anderen. Die letzten Einbrüche an den Aktienmärkten bestätigen den "Fortschritt" des Showdowns.

Soweit der Artikel in meiner Kolportage, den sie HIER finden und den ich allen nur verbindlich empfehlen kann, die an einem grundlegenden ursachenbezogenen Verständnis der Krise interessiert sind. Er deckt sich in nicht wenigen Punkten mit meinen Ausführungen hier im Forum und mit einigen Texten anderer Foristen, ist aber in seiner Klarheit und Verständlichkeit und vor allem kurzen Vollständigkeit herausragend.

Besonders den Liebhabern des Finanzkapitalismus heutiger Ausprägung, welche das Zinseszinssystem hier im Zeitforum zum Naturgesetzt erklären wollen, empfehle ich diesen aussagekräftigen Artikel auch zur Hilfe bei der Beantwortung meiner Fragen unter 1.

Allgemein noch dies:

Die perfide Idiotie der ganzen Krise liegt meines Erachtens in einem allgemeinen nicht Wahrhaben wollen der Zusammenhänge. Gerade in der finalen Phase der Systemkrise wird aber eine Erkenntnis bezüglich der Unsinnigkeit des Systems eigentlich unabwendbar, will man sich nicht selber zum Idioten machen, der bis zum schlimmen Ende an den Weihnachtmann geglaubt hat.

All die technologischen und wirtschaftlichen sowie die sozialen und humanitären Entwicklungen, die den Wohlstand in den Industrieländern ermöglichten, wurden durch das jetzige Geldsystem nicht beschleunigt und auch nicht initiativ verursacht. Durch die Leistung der Realwirtschaft wurden sie verursacht. Zerstört werden sie allerdings durch die Leistung des Zinseszinssystems, wie dieses auch schon eine Hälfte der Welt, die so genannte dritte, zerstört hat.

Ich selbst bin weit entfern von jeder Häme, was den Niedergang des Geldsystems angeht, denn die Zeiten werden für fast alle sehr hart werden. Auch die Gefahren vor totalitären Auswegen aus der Talsohle einer Weltkrise und die Initialzündung einer nächsten Runde Zinskapitalismus durch Kriege, wie schon fast Tradition, lasst keinen Platz für geheime Freude.

Meine Sorge liegt in erster Linie in der Prävention einer nächsten Runde diese "Pyramidenspiels", denn als nichts anderes kann man den Zinskapitalismus nur begreifen wenn die Zahlen offen auf den Tisch kommen. Wie es im Leben nun mal so ist spricht Mensch aber lieber von dem Geld, das er nicht hat, als von dem, das er hat. Dieses Tabu muss gebrochen werden. Die Gewinner der Pyramide müssen nicht einmal bestraft werden, denn sie sind zumindest zum Teil zufällige Gewinner. Nur erkannt muss werden: wenn eine kleine Gruppe Gewinner möglich ist wird bei geringfügiger Systemmodifikation auch ein Gewinnen auf ganzer Linie möglich sein für alle Beteiligten. Einerseits ist der Wert der Leistung ja noch vorhanden, das "Haus" verliert nichts, andererseits: warum sollen durch einen systematischen Irrtum einige Wenige den ganzen Wert der versammelten menschlichen Leistung erhalten? Da gibt es wohl keine plausiblen Gründe, sondern nur Nachteile für fast alle.

Eins bleibt letzendlich der Brüller der Geschichte : nie ist ein "Gott" so dermaßen mit Pauken und Trompeten untergegangen, auf die Schnauze gefallen wie jetzt der Gott des schnöden Mamon - ein "Jericho", das nicht mal Hollywood sich hätte zusammenlügen können.

Jedes "Reich", das einst errichtet wurde, muss auch untergehen. Nach den Gründen forscht Mensch meist erst spät wenn überhaupt, doch dann auch oft vergebens. Möge es diesem Untergang gegönnt sein sich selbst zu erkennen - der Menschen zuliebe.

Das Implizite eines Systems bzw. eine scheinbare Selbstverständlichkeit explizit zu machen ist notwendig nicht nur um eine Wahrnehmbarkeit dessen zu ermöglichen, sondern auch eine Verständniss. Wir verlieren zwar unser naives Vertrauen in die Selbstverständlichkeit (hier des Zinses) gewinnen aber Kenntnis oder Explikation und daher Handlungsspielraum für die Zukunft. Wir sollten staunen lernen über uns selbst.

hier noch ein paar andere Quellen und Links zum Thema:
http://www.weissgarnix.de/?p=54
http://www.weissgarnix.de/?s=martin+machttheorie
http://blip.tv/file/1451500/
http://www.mmnews.de/index.php/200902012148/MM-News/Stunde-Null.html
http://www.handelsblatt.com/finanzen/handelsblatt-kommentar/hirngespinst-enteignung;2138721;0
http://www.casino-schliessen.de/aktionen/2803/startseite/

vielen Dank für ihr Interesse
iDog