Leserartikel-Blog

Der grösste Bankraub aller Zeiten

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, wo in den Banken die Gangster VOR dem Schalter standen.

Endlos das aktuelle Geschwätz über Reformen des Finanzsektors, neue Gesetze, Behörden, Regeln, Sicherheiten usw. Warum brauchen wir dies alles? Brauchen wir es überhaupt? Oder könnten wir vielleicht sogar einen Grossteil der heutigen und offensichtlich nutzlosen Bücher auf den Scheiterhaufen legen?

Wir brauchen gar nichts Neues. Nur den klaren Blick. Wie konnte es denn soweit kommen, dass ein paar Finanzheinis in den USA und ihre notorischen Mitläufer in Europa weit über 1'000 Milliarden Dollar, vermutlich eher 2’000, verbraten konnten, ohne auch nur das klein-ste Räuchlein aufsteigen zu lassen, und erst der Blick auf die Brandruinen das wahre Ausmass ihres Tuns offenbarte? Interessanterweise darum, weil nichts verbrannt wurde und auch kei-ne Ruinen da sind. Es wurde nur abgezügelt. Jahrelang, massiv und am helllichten Tag. Denn man muss sich immer vor Augen halten: Geld verschwindet nicht, wird auch nicht vernichtet (ausser durch eine galoppierende Inflation), sondern umverteilt. Hat einer weniger, hat ein anderer mehr, so einfach ist das mit dem Geld.

Das Ganze ist ein gigantischer, unverschämter, aber wohl orchestrierter Raub von ein paar Bänklern am Vermögen von Millionen von Sparern und zukünftigen sowie aktiven Pensionä-ren. Die Werkzeuge waren nicht Dietrich oder Schweissbrenner, sondern „Finanzinstrumen-te“, „Derivate“, „Hedgefunds“, „Financial Engineering“, CDO, RLN, Alt-A, „Private Banking“, „persönliche Vermögensberatung“, um nur einige Stichworte zu nennen. Produkte, die so gestaltet waren, dass weder der Erfinder noch der Verkäufer, insbesondere aber nicht der Käufer auch nur den blassesten Dunst hatten, worum es ging und geht. Warum denn so grossartig? Was steckt denn Neues, Innovatives, dahinter? Die Antwort ist einfach: Gar nichts! Und schon gar nichts Neues. Am Anfang steht ein ebenso mittel- wie arbeitsloser Schwarzer im Mittleren Westen der USA, und der möchte auch einmal auf grossem Fuss leben. Zahllose Banken und Finanzinstitutionen ringen darum, ihm diesen Traum zu erfüllen. Bedingung: Er muss ein Haus auf sich eintragen lassen und den Kaufpreis von einer dieser „Banken“, nennen wir sie Pleitebank, bezahlen lassen. Und versprechen, dass er dann irgend-eines Tages mal einen Zins und das Darlehen zurückbezahlt, was insofern kein Problem dar-stellen wird, als das Haus dannzumal ja das Doppelte wert sein werde und er dies aus dem Mehrwert bewerkstelligen könne und das Haus dann ihm alleine gehöre. Ein grossartiges Versprechen, da kann eigentlich nichts schiefgehen.

Nun muss die Bank, die solch tolle Versprechungen macht, ja das entsprechende Geld von irgendwoher bekommen (sich „refinanzieren“), und da sie dies basierend auf derartig windi-gen Darlehensnehmern nicht bekommen kann, muss sie das Ganze „umpacken“, respektive von Umpackspezialisten umpacken lassen. Sie hat aber noch einen anderen Grund, zu einer neuen Verpackung des derart unappetitlichen Happens zu schreiten: Die Boni ihrer Manager. Doch davon später. Diese Darlehen sind in ihrer neuen Verpackung nicht mehr als faule, faulste Kredite erkennbar und können im Gegenteil als „Finanz-Hightechprodukte“ den gieri-gen Abnehmern angedreht werden; je fauler, je mehr Hightech. Dass die hochdotierten Spe-zialisten der Rating-Agenturen dazu nicht nur ihren Segen geben, sondern sogar Höchstnoten verteilen, gibt einen ersten Hinweis darauf, dass es hier um mehr geht als Dummheit oder Gerissenheit. Am Schluss hat man die seit Tausenden von Jahren einfachste Transaktion, nämlich dass einer einen Kredit gewährt gegen Zinsen und die durch Sicherhei-ten gewährleistete Rückzahlung des Kredites, in einen komplexen, völlig undurchsichtigen Taschenspielertrick umgewandelt und als Resultat des neuen „Financial Engineering“ verkauft und das im Betrag von Tausenden von Milliarden von Dollars.

Interessanterweise funktionierte dieses Mal der faulste aller faulen Tricks; der mit den Im-mobilien. Dieses Schmierenstück wurde schon oft gespielt, diese Lüge hatte jeweils relativ kurze Beine; dies deshalb, weil ja wirklich jeder Idiot sich in etwa ein Bild machen kann, was eine Holzhütte wert ist und was definitiv nicht mehr. Wie ist es möglich, dass Millionen von einfachen Sparern, aber auch hochdotierten Bankdirektoren, Pensionskassenverwaltern usw. einmal mehr auf den primitiven Trick hereinfallen? Die Erklärung ist vielleicht verblüffend, aber einfach: Sie wurden dazu gezwungen. Wer in den letzten 10 Jahren sein sauer verdien-tes Geld als Sicherheit für das Alter, die Ausbildung der Kinder, einen späteren Hauskauf usw. auf die Seite legte, verlor jeden Tag Geld. Je mehr er sparte, je mehr verlor er. Die ab-solut lächerlichen Zinsen kompensierten bestenfalls die Teuerung, sie lagen aber regelmässig darunter, speziell, wenn man den Warenkorb etwas weiter fasste als Eier, Bratwurst und Makkaroni. Sie lagen auf jeden Fall immer darunter, nachdem der Fiskus seinen Anteil an den Zinsen und dem Kapital abgeholt hatte. Wer sein Geld einigermassen vor diesem Wertzer-fall schützen wollte, wurde von seiner beratenden Bank höflich, aber bestimmt in den Fi-nanzmarkt mit all seinen attraktiven Anlagemöglichkeiten gelenkt. Dies galt nicht zuletzt für die institutionellen Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen usw.

Der Treibstoff für diese Massenbewegung war der lachhaft tiefe Zins, der sowohl in der Dol-lar- wie der Eurozone (und nicht zuletzt in der Schweiz) während über einem Jahrzehnt „hochgehalten“ wurde. Ohne diese Almosen an Zins hätte die Pleitebank ihrem Schwarzen das Darlehen auf seine Bruchbude nicht jahrelang zinsfrei stehen lassen können, sie hätte auch gar kein de facto Gratisgeld bekommen, die Pensionskasse in 10'000 km Entfernung hätte keinen Hedgefund gezeichnet, sondern ihr Geld gemütlich in die klassischen Instrumen-te wie Obligationen und ein paar Aktien investiert. Der gigantische Kuchen wäre in sich zu-sammen gefallen, bevor auch nur die ersten Anzeichen von soufléartigem Aufgehen zu erkennen gewesen wären.

Nun ist es aber nicht so, dass es der Pleitebank um Finanzierung von Häusern ging, und schon gar nicht um diejenigen von mittellosen Schwarzen. Ihr Geschäft war das Umpacken! Das Haus des Schwarzen diente lediglich als Alibi; es hätte auch eine Hundehütte sein kön-nen. Bei diesem Geschäft flossen die Kommissionen und daraus die Boni. Aus dem ober-langweiligen Gewähren von Hypothekarkrediten war plötzlich eine hochrentable Angelegenheit geworden. Weil niemand sah, dass die Pleitebank offiziell 100 einpackte, der Käufer des Paketes dafür 110 bezahlte und nicht merkte, dass nur 90 drin waren. Und das läppert sich zusammen: Umpacker Goldman Sachs konnte alleine im Jahr 2007 seinen Ka-dern 25'000 Millionen Dollar Boni ausbezahlen für ihre Bemühungen in Sachen Umpacken, die UBS immerhin noch 10 Milliarden. Alle Umpacker in den USA zusammen dürften in den letzten 5 Jahren sicherlich die Summe von 1'000 Milliarden gezupft haben für ihre klammen Aktivitäten. Nicht umgepackt wäre allenfalls ein Zehntel davon angefallen. Dazu haben die „Finanzingenieure“ bei ihren kriminellen Machenschaften einen Kollateralschaden von si-cherlich noch einmal diesem Betrag verursacht.

Nun sind wir auch schon beim anzunehmenden „Schaden“ angekommen. Gut 2'000 Milliar-den Dollar; genau weiss man es nicht, man wird es nie wissen. Um es deutlich zu sagen: Der Minderwert des Hauses des Schwarzen stellt nicht den grossen Schaden dar. Es war einfach überbewertet, aber immerhin ist es noch da; den grossen Schaden hat der Schwarze. Er war pleite, jetzt ist er noch etwas mehr pleite, dafür nüchterner. Der grosse Schaden besteht in der gigantischen Vermögensverschiebung: von den Sparern zu den Managern der Finanzinsti-tute. Der Witz dabei: Die Gangster haben das Ganze völlig risikolos für sie und ohne Angst vor Strafe durchgezogen, und die ganze Welt schaute zu und feierte die Stars einer neuen Ökonomie.

Nun wurde ja Herr Alan Greenspan, vom 11. August 1987 bis zum 31. Januar 2006 Vorsit-zender der US-Notenbank Federal Reserve System, der wichtigsten Zentralbank der Welt, mehr als einmal und von mehr als einer Seite als wohl historisch intelligente Fachkraft ge-priesen. Und es ist sicher so, dass er etwelche Mängel hat. Sicher aber nicht den der unter-dotierten Intelligenz. Seine berühmte Ausrede, eine Blase könne man erst erkennen, wenn sie platzt, könnte leicht als solche entlarvt werden. Wenn man nicht annehmen will, dass man sich im meistgefeierten Chef des FED während zwei Jahrzehnten geirrt und dass in Tat und Wahrheit ein Obertrottel die Fäden der Weltwirtschaft gezogen hatte, dann muss es eine andere Erklärung für ein derartig perverses Verhalten geben. Die einzige stichhaltige Erklärung ist die, dass es sich um einen gewaltigen Diebstahl handelte, bei dem Alan, wenn nicht die Strippen zog, so doch Schmiere stand. Es ist schlicht nicht erklärbar, dass man 10 Jahre lang in aller Offenheit ein Schmierenstück durchzieht, dieses mit sybillinischen Tönen garniert, zuschaut, wie die Milliarden im Multipack die Seiten wechseln, die ganze Finanzwirt-schaft gegen die Mauer fährt und dies mit dem Wohl der Wirtschaft zugunsten aller recht-fertigt. Es ist offensichtlich, dass es sich hier um ein gigantisches Komplott handelt, bei dem einige Wenige ihre Macht über öffentliche Institutionen, Volksvermögen in ungeheurer Art missbraucht haben, genauso wie Bankpräsidenten, wie zum Beispiel ein Ospel, ihre Macht in den von ihnen geleiteten Banken schamlos missbraucht haben. Mit anderen Worten: Leute, die selber weder investiert hatten in die Buden, die sie lenkten, noch irgendein Risiko an deren Schäden trugen, haben diese masslos ausgelumpt und das Geld in ihre Taschen ge-steckt, ein wohl orchestriertes Komplott, der grösste Bankraub der Weltgeschichte, der nie hätte stattfinden können, wenn der Obergauner Greenspan den Leitzins dahingebracht hätte, wohin er gehörte.

Der jahrelange Raub wurde hinter einer dichten Wand von Blabla wie Vorteile, Wichtigkeit, Notwendigkeit tiefer Zinsen für die Weltwirtschaft vernebelt. Kein einziges Mal wurde der Sparer, notabene derjenige, welcher den ganzen Schlamassel und Raub finanziert, gefragt, ob er einverstanden ist mit dem Zins, den er erhält. Kein einziges Mal! Es wurde nur immer wieder die Wichtigkeit tiefer Zinsen für das Wohl aller ins Feld geführt! Und es wurde der-art oft hinausposaunt, dass es heute zur praktischen Standardausrüstung in Sachen Wirt-schaft nicht nur eines Ökonomen, nein, jeder Putzfrau gehört. Und weil es nicht stimmt, aber unverzichtbarer Rohstoff des grossen Raubes ist, wird es ununterbrochen wiederholt. Was aber nicht gesagt wird, ist, dass tiefe Zinsen wichtig sind für die Börse, nicht aber für die Wirtschaft! Die Wirtschaft kann gut leben mit den doppelten, ja dreifachen Zinsen von heute. Und sie hat es während Jahrzehnten getan. Anfang der 80-er Jahre stand der Leitzins des FED bei knapp 20%, der Realzins bei 10%. Zwar herrschte eine milde Rezession, aber untergegangen ist die Wirtschaft nicht dabei; sie ist im Gegenteil gestärkt aus jener Periode herausgekommen. In Brasilien werden seit Jahren 10% Realzins verlangt. Die Wirtschaft wächst. Wer schon bei Investitionsentscheidungen der Industrie dabei war oder selber sol-che fällte, weiss, dass der Zins nur einer von vielen Entscheidungsfaktoren ist und in den al-lermeisten Fällen einer der unwichtigen. In einer Payback-Rechnung, wo die übliche Zahl von 5 Jahren nicht überschritten werden soll, ist es praktisch unbedeutend, ob ein Zins von 4% oder 8% angesetzt wird. Es soll hier keinesfalls hohen Zinsen das Wort geredet werden, aber es wird mit aller Klarheit verlangt, dass die Jahrtausende alte Regel wieder einmal an-gewandt wird, nämlich dass der Gläubiger ein anständiges Entgelt bekommt für seine Investi-tion, und dass der Schuldner ein anständiges Entgelt bezahlt.

Gegen dieses Grundgesetz jeglichen Wirtschaftens wurde über 10 Jahre lang in krimineller Absicht verstossen. Und dies mit dem einzigen Zweck, die grösste Vermögensumschichtung, den grössten Raub der Weltgeschichte durchzuziehen. Es war ein Komplott von ein paar zufällig an den Schalthebeln Sitzenden, die sich masslos bereicherten, gegen den Rest der Menschheit. Wo jeder sein Scherflein beitragen hat und noch beitragen wird zu diesem neu-en Reichtum der wenigen Räuber, sei es als Sparer, Steuerzahler, Aktionär oder als Schwar-zer.

Wenn man die alleine im Hypothekarsektor angefallenen Kommissionen, Fees, Spesen, Kick-backs und Boni auf konservativ geschätzte 10 Prozent der in den letzten drei Jahren im „Fi-nancial Engineering“ umgesetzten 10 Billionen Dollar (wohlgemerkt: 10 000 Milliarden) ansetzt, dann handelt es sich nur hier schon um einen Diebstahl von 1’000 Milliarden Dollar. Das gibt dem Wort Banküberfall eine ganz neue Bedeutung, dagegen verblassen die gesam-melten Raubzüge der Geschichte der Menschheit. Die weiten Ritte eines Dschingis Khan, das Ausplündern des Kongos durch das belgische Königshaus, selbst die gesammelten Entwen-dungen der Kolonialmächte, sogar die Vernichtungs- und Aneignungspolitik des Hitler-Faschismus erscheint im Vergleich dazu, um ein Bankerwort zu benutzen, als Peanuts, als deutliche Underperformance. Und noch besser für die marodierenden Bankerbanden: An Reparationen, Rückzahlungen oder Herausgabe der Beute ist ja nicht zu denken. Es wird keinen internationalen Gerichtshof zur Aburteilung der Rädelsführer geben, es werden keine Köpfe rollen, Mitläufer müssen sich nicht auf Befehlsnotstand berufen oder in Schutzbehaup-tungen wie das Ausführen von Anordnungen flüchten. Im Gegenteil: Die Bestohlenen dürfen nun die vor ihrer Nase und unter dem Applaus der meisten so genannten Wirtschaftsanaly-tiker und Fachleute abgeräumten Milliarden ersetzen und nebenher auch noch die Kollateral-schäden bezahlen. Während fast alle Gauner, abgesehen von den Blödköpfen, die zu gierig waren und juristisch verwertbare Spuren hinterliessen, auf ihren Yachten durch die Meere schippern, von den Terrassen ihrer Penthäuser den Sonnenuntergang geniessen oder im Pri-vatjet zu den exklusivsten Golfplätzen und Luxusressorts der Welt düsen. Davon kann jeder Bankräuber nur träumen. Aber er hat halt seinen Beruf verfehlt: Besser wäre er Banker geworden.