Leserartikel-Blog

Re-Perspektivierung – FLASHBACK - als Masche der BAKARGIEV-documenta 13?

Das traurige erste FAZIT meines Artikels über die 2012 kommende documenta 13 war es, dass momentan Kultur- & Kunst-Politik des Landes Hessen für gescheitert zu erklären sind, gescheitert wie die BUERGELiade 2007. (1) Quintessenz: Die unfassbar störrische Stillstand-Politik der hessischen Kultur&Kunstpolitiker zum Fall documenta muss veränderungsfähig gemacht werden – mit welchen Mitteln auch immer. Da uns nun tatsächlich eine BAKARGIEViade 2012 droht (2), bedarf es der engagierten Repräsentanten einer kompetenten Kunst-Kritik (Kulturschaffender wie Kritiker, Wissenschaftler, KünstlerInnen), die sachlich - ohne Scheuklappen – versuchen, der documenta-Realität insgesamt habhaft zu werden und die Dinge bekämpfen, die starrköpfige PolitikerInnen nicht reformieren können oder wollen. „Packen wir’s an - CHANGE!“ lautet der Schlacht-Ruf. Und: PAROLI bieten der ENTKUNSTUNG und Erweiterung des ERWEITERTEN KUNSTBEGRIFFS, der langjährigen Masche seit vielen documentas in der documenta-Stadt Kassel! Eine aktuelle Möglichkeit bietet sich momentan an, Stillstand-Politik á la CDU, SPD, FDP und GRÜNEN in Hessen dadurch zu beeinflussen, dass zur Landtagswahl in Hessen (Januar 2009) über das Internet-Portal www.kandidatenwatch.de den Spitzenkandidaten der Parteien gezielt Fragen gestellt werden. Sie werden wohl nicht beantwortet, bewirken jedoch Druck auf die „kulturelle (In)Kompetenz“ der KandidatInnen!

Documentae haben sich als „Ästhetischer-Reichtum-Verhinderer“ erwiesen, die im grundgesetzlichen Freiheitsrahmen selbst unkontrolliert (willkürlich) die subjektiven Ansichten Einzelner über „Kunst“ (Nicht-Kunst, Antikunst) propagiert haben; vgl. HOETiade, DAVIDiade, ENWEZORiade, BUERGELiade.

Das staatsnah installierte documenta-Institutions-System (documenta GmbH, privatrechtlich) muss beseitigt werden: sprich öffentlich-rechtlich (demokratisch-pluralistisch wirkend) installiert werden – oder eben abgeschafft werden, was einem für die Menschen in Kassel leid täte! Dem Anliegen Kunst (mit Kunstfreiheits-Garantie des GG der BRD) könnte ein demokratischer legitimiertes Kunst-Auslese- und Förderungs-Prinzip wie die von mir vorgeschlagene imagefördende „Hessische documenta Akademie“ (5) besser dienen. Hier geht es auf Zeit ermächtigte Gremien, die in ihrem kunstfördernden subventionierten operativen Fach-Männer/Frauen-Geschäft vor Eingriffen durch einen politisch besetzten Aufsichtsrat & unseriöse Kunst-Markt-Einflüsse weitestgehend geschützt sind. Kunstbeurteilung & Kunstauslese wird auch in der „Reformierten documenta“ (vgl. HdA-System-Vorschlag) ein höchst subjektiver Vorgang bleiben, den man beklagen oder begrüßen kann. Kultur & Kunst sollten mit Steuermitteln nur innerhalb VERBINDLICHER Strukturen gefördert werden, die bei der documenta-Struktur heutzutage (auch juristisch – siehe „Fall documenta“) vermisst werden.

Das vorläufig ausgeprägte „Profil“ der neuen d13-Macherin BAKARGIEV ist stetig im WEB bei DIE ZEIT Online weiterhin kunstkritisch zu skizzieren. Daher füge ich meinem bisherigen Material aus Taten & (Nicht-) Äußerungen der d13-Chefin (1)/(2) folgendes hinzu, das zum seitherigen nicht positiven „Umriss“ der Macherin passt. In art (Das Kunstmagazin) Nr.1/2009 (S. 111) äußerte sich die d13-Chefin gerade verärgert „gegen die ständige Suche nach neuen Produkten für den Markt“; es sei daher durchaus möglich, dass BAKARGIEV einige ihrer alten Künstlerfreunde auch 2012 bei der d13 vertreten sein werden (Ute DIEHL).

BAKARGIEV liebt es als „Arme-Kunst“-Begeisterte, auch auf die Kunst der 80er Jahre zurückzublicken: Sie kuratierte im Museum für Gegenwartskunst in Basel „Flashback – Eine Revision der Kunst der 80er Jahre“ - eine Ausstellung, die sich als „essayistische Versuchsanordnung“ verstanden hat. „Einen kritisch differenzierten Blick auf das vermeintliche Jahrzehnt der Malerei und des Kunstmarktbooms“ war zu werfen; 29.10.2005 bis 11.02.2006. Man wollte ein Bild der 80er Jahre zeichnen, „das in einem gewissen Sinne repräsentativ für die Kunst dieser Zeit ist, ohne dabei einem Pluralismus des 'Anything Goes' anheim zu fallen“.

Wenn die d13-Macherin BAKARGIEV noch vor zwei Jahren der Ansicht war, dass das FLASHBACK als Re-Perspektivierung „zum heutigen Zeitpunkt deshalb besonders sinnvoll“ erscheine, „weil die Wirkmacht der Mechanismen, der Kunst und ihres Betriebssystems, zum Guten, wie zum Schlechten immer noch überaus präsent ist“, wird sich diese Ansicht wohl bis 2012 zur d13-Schau NICHT wesentlich geändert haben.

Re-perspektiviert wurde in Basel eine Kunst der 80er Jahre, mit einem Höhepunkt, in dem Kunstkritik „ausnahmslos alle Malerei, ob neoexpressiv, figurativ oder abstrakt, suspekt erschien“, heißt es zur Baseler Ausstellung, zu der auch ein Buch vorliegt (3).

In einer Presse-Erklärung stellte das Kunstmuseum Basel mit Kuratorin BAKARGIEV die gewollte „Re-Perspektivierung“ weiterhin so dar:

„ (…) plädiert die Ausstellung 'Flashback' dafür, das Konzeptuelle ohne das heroisch Expressive zu denken und sowohl den Dekadenbruch Ende der 70er Jahre, als auch die Uneindeutigkeiten, Unschärfen und Kontinuitäten der Kunst zu erfassen. Dies bedeutet, dass Konzeptualität, aber ebenso Pop, nie aufgegeben, sondern vielmehr von den siebziger über die achtziger bis in die neunziger Jahre umformuliert wurden und dass es Zeit geworden ist, von der Legende der Rückwärtsgewandtheit der 80er endlich Abschied zu nehmen. Die Kunst in den 80er Jahren war denn auch äußerst vielfältig, man denke nur an die aufkommende Becher-Schule, an Neo-Geo, Simulationismus, an feministische und aktionistische Strategien, die so genannten Modellbauer und all die anderen diskutierten Kunstlabels. Die Ausstellung 'Flashback' reinszeniert jedoch keine unverbindliche Vielheit, sondern versucht im Gegenteil vielstimmig eine Fokussierung auf heute noch virulente und relevante künstlerische Positionen vorzunehmen.“ (4)

Literatur:

(1) HAHN, Werner (2008): DARWIN-Jahr: Anything-Goes-Kultur, Entkunstungs-Initiativen, erweiterter Kunstbegriff und Kunst-Kritik zur documenta 12 & 13. DIE ZEIT Online v. 11.12.2008.

(2) HAHN, Werner (2008): Düstere Aussichten!?: Zur Berufung von Carolyn Christov-BAKARGIEV zur Leiterin der documenta 13. In: ZEIT-ONLINE vom 05.12.2008.

(3) Flashback: eine Revision der Kunst der 80er Jahre - revisiting the art of the 80s; [anläßlich der Ausstellung "Flashback" im Kunstmusem Basel, 30.10.2005 - 12.2.2006] / Kunstmuseum Basel, Museum für Gegenwartskunst. Ostfildern: Hatje Cantz [u.a.], 2005.

(4) Vergleiche auch zu Flashback (…) www.kunstmuseumbasel.ch.

(5) HAHN, Werner (2007): Documenta Demokratisierung – Auf dem Weg zu einer Hessischen documenta Akademie mit d12-Kritik. Gladenbach 2007.