Leserartikel-Blog

Gefährliche Wissenschaft

Am 1. August stellen Wissenschaftler des CERN den Urknall nach. Doch kennen Sie auch die Konsequenzen dieses Experiments?Woher kommen wir? Was war vor dem Urknall? Wie ist die Erde entstanden?Solche Fragen stellen wir uns immer wieder. Die beste Möglichkeit, Informationen darüber zu gewinnen, wäre, einen Urknall live mitzuerleben. Forscher des CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) wollen nun den Urknall nachstellen. Ihre Kollegen warnen vor diesem Experiment, weil dessen Folgen schwer absehbar und möglicherweise äußerst bedrohlich sind.Bei dem Projekt handelt es sich um das sogenannte Atlas-Experiment, welches 100 Meter tief unter der Erde zwischen Frankreich und der Schweiz durchgeführt wird. Gigantische Maschinen bringen Protonen auf unvorstellbare Geschwindigkeiten, um sie anschließend durch ein rund 26 Kilometer langes Rohrsystem zu schicken und miteinander kollidieren zu lassen – so wie das angeblich beim Urknall geschehen ist. Für einen Bruchteil von Sekunden sollen bei diesen Kollisionen kleine Urknalle entstehen, welche mit bloßem Auge nicht zu sehen sein werden. Spezielle Geräte messen daher blitzschnell die relevanten Details, bevor alles, was bei dem Vorgang entstanden ist, wieder in sich zusammenfällt und im Nichts verschwindet.Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch neben Erkenntnissen über den Urknall auch noch die Entdeckung einer neuen, vierten Dimension und wollen gleichzeitig neue Materieteilchen entdecken. Unsereiner kann mit diesen Ideen wenig anfangen. Die wenigsten von uns sind Physiker und verstehen, was die hochintelligenten Herrschaften dort unten in den französisch-schweizerischen Höhlen tun. Und genau das ist das Gefährliche an der Sache.Die CERN-Forscher tun etwas, das kaum jemand auf der Welt nachvollziehen kann. Das gilt grundsätzlich für die Arbeit alle Wissenschaftler. Der Unterschied ist nur, dass die CERN-Forscher beängstigend autonom arbeiten dürfen. Ihre Forschungen finden auf exterritorialem Gebiet statt, d.h. es gibt keine Regierung, der sie unterstehen und keine Aufsichtsbehörde, die ihr Handeln kontrolliert. Weder das Volk – vertreten durch die Politik – noch irgendwelche andere Instanzen haben die Möglichkeit, diese Leute aufzuhalten – was auch immer sie dort unten planen mögen. Kurz und knapp: Es gibt keine Kontrolle.Kollegen der Urknallforscher befürchten daher Schlimmes. Die verheerendste Theorie ist, dass bei dem Mini-Urknall – wie auch bei dessen großen Bruder – schwarze Löcher entstehen könnten. Diese schwarzen Löcher sind im Weltraum zu finden und dafür bekannt, dass sie alles, was sich in ihrer Nähe befindet, einfach aufsagen – Meteoriten, Sterne und sogar ganze Planeten. Zwar fällt alles, was bei dem Atlas-Experiment entsteht, binnen Sekundenbruchteilen wieder in sich zusammen; dies gilt aber nicht für schwarze Löcher. Sind diese nämlich erst einmal entstanden, werden sie in Sekundenschnelle größer und denken gar nicht daran, wieder zu verschwinden. Soweit das Horrorszenario. Ob es eintreten wird, können wir genauso wenig einschätzen wie den Sinn und den Ausgang des Experiments.Was ist die Botschaft dieses Artikels? Tretet alle einer Weltuntergangssekte bei? Tut alles, was ihr schon immer tun wolltet, bis zum 1. August, denn danach ist alles vorbei? Nein, natürlich nicht. Vielmehr lautet die Botschaft: Wir dürfen nicht die Kontrolle verlieren! Zum Glück leben wir in einem Land und in einer Gemeinschaft, in der jeder kontrolliert wird. Für alles gibt es Aufsichtsbehörden und Kontrollinstanzen. Die einzigen, denen man scheinbar noch blind vertraut, sind Wissenschaftler. Das liegt wahrscheinlich daran, dass kaum jemand den geistigen Horizont hat, deren Handeln nachzuvollziehen, während gleichzeitig alle den Forschungsergebnissen entgegenfiebern.So viele Freiheiten, wie die CERN-Forscher haben, dürften Wissenschaftler nicht bekommen. Dafür sind die Gefahren einfach zu groß, von der enormen Geld- und Energieverschwendung einmal ganz abgesehen. Auch wenn Volk und Politik nichts von Urknall-Experimenten verstehen, müssten sie sich wenigstens über die Risiken aufklären lassen und danach entscheiden, ob solche Projekte durchgeführt werden dürfen oder nicht. Auch ohne physikalisches Expertenwissen kann man sich nämlich fragen: „Wollen wir überhaupt den Urknall nachstellen? Brauchen wir eine vierte Dimension und das Wissen über ein weiteres Materieteilchen?“Die Antwort lautet: Nein. Was wir wirklich brauchen, sind mehr regenerative Energiequellen, Medikamente gegen bisher unbezwingbare Krankheiten und viele wichtige Forschungsergebnisse mehr. Mit der Energie, die in den Atlas-Versuch investiert wird (etwa soviel wie 2 Millionen haushaltsübliche Glühbirnen), könnten mit Sicherheit einige Großstädte für eine Weile mit Strom versorgt werden. Stattdessen wird sie innerhalb einiger hundertstel Sekunden vernichtet. Hinzu kommt, dass das Experiment umgerechnet rund 3,7 Milliarden Euro teuer ist, das ist fast dreimal soviel wie die Verschuldung der BRD.Vielleicht kommt bei dem Versuch aber auch etwas ganz anderes heraus, das uns langfristig schaden könnte, so wie bei der Erfindung der Kernspaltung und damit der Atombombe. Es kann sehr förderlich sein, Wissenschaftlern freie Hand zu lassen. Aber zuviel Freiraum macht jede Wissenschaft gefährlich.